Übersicht über Ursachen und Risikofaktoren sowie Methoden der Prävention.

Risikofaktoren

An der Entstehung der neurogenerativen (Niedergang von Nervenzellen) Erkrankungen und der Gefäßkrankheiten des Gehirns sind mehrere Faktoren beteiligt.

Der wichtigste Faktor ist das ALTER: je älter ein Mensch ist, desto höher ist das statistische Risiko einer solchen Erkrankung.

Aus heutiger Sicht besteht in der Forschung darin Einigkeit, dass folgende präventive Faktoren dazu beitragen können einer Erkrankung vorzubeugen (d. h. den Auftretenszeitpunkt nach hinten zu verschieben). Bis heute gibt es keine Erkenntnisse, dass das Auftreten solcher Erkrankungen durch bestimmte Faktoren verhindert werden kann.

  • Untersuchungen bestätigen, dass Bewegung und Sport eine präventive Wirkung haben können.
  • Ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Demenz scheint ebenso zu bestehen. Personen, die sich gesund ernähren (viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte und Fisch sowie mäßig Fleisch und Milchprodukte), haben vermutlich ein geringeres Demenzrisiko.
  • Geistige Fitness und Anforderungen, Austausch mit anderen (Familie, Freunde, Bekannte) tragen zur Gesundheit des Gehirns bei.
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns können Einfluss auf Demenzerkrankungen haben. Risikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Cholesterin, Übergewicht, Rauchen sowie übermäßiger Alkoholkonsum) sollten behandelt werden.

 

Prävention

Finnische FINGER-Studie

Finnische FINGER-Studie

Eine gesunde, ausgewogene Lebensweise und Ernährung, ausreichend Bewegung, Gedächtnistraining sowie engmaschige Überwachung vaskulärer Risiken kann bei Risikogruppen für Demenzerkrankungen positive Auswirkungen auf den kognitiven Leistungen und die alltagspraktischen Fähigkeiten haben.

Dies wird erstmals untermauert durch die finnische FINGER-Studie (Finnish Geritric Intervention Study to Prevent Cognitive Impairment and Disability), eine der bisher größten Studien zum Thema Demenz. Ausgewertet wurde bis dato die zweijährige Studienperiode, geplant ist aber eine weitere Analyse der Ergebnisse nach sieben Jahren, um zu schauen, ob sich die vorangegangenen Aussagen oder Thesen bestätigt haben und ob diese von Bestand sind.

Eckdaten zur Studie

  • Studienteilnehmer: 1.260 Frauen und Männern zwischen 60 und 77 Jahren mit erhöhtem Demenzrisiko, ebenso durften sie in Gedächtnistests, ihrem Alter entsprechend, maximal durchschnittliche bzw. leicht unterdurchschnittliche Leistungen aufweisen.
  • Zu Beginn der Studie erfolgte eine Information zur gesunden Ernährung und wie mittels körperlicher, kognitiver und sozialer Aktivitäten vaskulären Risiken und anderen Erkrankungen vorgebeugt werden kann.
  • Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt ein Programm mit vier Modulen, die Kontrollgruppe nicht.
    • Modul 1: Ernährungsberatung; Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, fettarme Milch- und Fleischprodukte, 2 x Fisch pro Woche
    • Modul 2: Fitnessprogramm: Muskeltraining (1-3 x Woche), Aerobic (2-5x Woche)
    • Modul 3: Training kognitiver Fähigkeiten, zusätzliches Training mit einem für die Studie entwickelten Computerprogramm
    • Modul 4: Überprüfung von Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker, Gewicht und Body-Maß-Index sowie kontinuierliche Blutuntersuchungen

Ergebnis

  • Verbesserung der kognitiven Leistungen bei allen Studienteilnehmern sowohl Interventionsgruppe als auch Kontrollgruppe. Eventuell haben sich die Teilnehmer in der Kontrollgruppe auch an die Lebensstilempfehlung gehalten, die zu Beginn der Studienperiode alle Teilnehmer erhalten haben.
  • Wichtigstes Ergebnis: Steigerung der kognitiven Leistung bei der Interventionsgruppe um 25% gegenüber der Kontrollgruppe, vor allem in der Verarbeitungsgeschwindigkeit um 150% und bei strategischem Handeln, Impulskontrolle und Aufmerksamkeitssteuerung um 83%.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die geplante Auswertung der Studie nach sieben Jahren bringen wird.

Positive Effekte auf die Kognition könnten zu Verzögerungen beim Auftreten von Demenzerkrankungen führen. Dies hat bedeutende Auswirkungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Über die Jahre könnten absoluten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen beträchtlich anwachsen und möglicherweise eine Demenz hinauszögern. Beispielsweise bedeutet ein um fünf Jahre verzögertes Auftreten der Alzheimer-Krankheit eine Verringerung der Krankheitsprävalenz um 50% in 50 Jahren.
Quelle: Zusammenfassung der Studie zur Demenzvorbeugung belegt erstmals: Der geistige Verfall lässt sich aufhalten-mit multimodaler Therapie. Medscape. 26. März 2015

Weiterführende Informationen zur Studie finden Sie unter
http://dzd.blog.uni-wh.de/bahnbrechende-studien-aus-der-forschung-die-finger-studie/

MAKS.-aktiv (in Pflegeheimen)

MAKS.-aktiv (in Pflegeheimen)

Die Studie belegt positive Effekte von aktivierenden Maßnahmen auf das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen.

Eckdaten zur Studie:

MAKS bedeutet: Motorische, Alltagspraktische und Kognitive Aktivierungstherapie; ergänzt durch eine kurze Einstimmung, die die Spiritualität des Menschen anspricht.

  • Laufzeit: Nov. 2008 - Sept. 2010
  • Projektleitung Prof. Dr. Gräßel, Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung, Universität Erlangen
  • Therapiedauer von 12 Monaten, von Montag bis Samstag, für zwei Stunden am Vormittag in Gruppen angeboten
  • Studienteilnehmer: Bewohner/innen mit Beeinträchtigungen von Gedächtnis und anderen kognitiven Funktionen. Diese mussten in der Lage sein an Gruppenangeboten teilzunehmen.

Ergebnisse der Studie zum Download 

DeTaMAKS (in der Tagespflege)

DeTaMAKS 

Nicht–medikamentöse Aktivierungsmaßnahme für Menschen mit Demenz in der Tagespflege mit telefonischer Angehörigen-Kurzintervention zur Stärkung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Eckdaten zur Studie:

  • Laufzeit April 2014 – März 2017
  • Projektleitung Prof. Dr. Gräßel, Dr. Katharina Luttenberger, Zentrum für Medizinische Versorgungsforschung, Universität Erlangen
  • MAKS-Aktivierung wird auf die Verwendung in der Tagespflege angepasst und weiterentwickelt (MAKS-T)
  • Ziel: Weiterentwicklung der Tagespflege zu einer Kompetenzen stärkenden Einrichtung, mit deren Unterstützung die Selbstständigkeit der Gäste gefördert und erhalten wird. Somit sollen sowohl Gäste der Tagespflege als auch ihre Bezugspersonen entlastet werden.
  • Ergänzendes Instrument: Erprobung einer telefonischen Angehörigen-Intervention

Ziel: Stärkung des Selbstmanagements der pflegenden Angehörigen bezüglich Stressverarbeitung und belastender Verhaltensweisen des Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.

Quelle: Universitätsklinikum Erlangen Psychiatrie, DeTaMAKS-Projekt, (Stand: o. J.) URL: http://www.psychiatrie.uk-erlangen.de/med-psychologie-soziologie/detamaks-projekt/ (abgerufen am 22.11.2016)